Vertrauen ist gut, 
Kontrolle ist besser

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser in der Führung

Was Menschen (auch) brauchen

Den selbstständigen Wissensarbeiter wird nicht mehr viel aufhalten, aber wie vertragen sich manuelle Tätigkeiten mit Vertrauen? Im aktuellen Fall war die Nachmittagsschicht bereits um 19 Uhr nicht mehr zu sehen, obwohl selbige erst um 21 Uhr endet. Kollektiver Ungehorsam, ein Akt des Aufbegehrens im Sinne von „wenn dein starker Arm das will, stehen alle Räder still“?

Entdeckt durch Zufall, ein Meister, welcher noch rasch für den nächsten Tag etwas vorbereiten will und deshalb am Abend im Unternehmen vorbeischaut. Was er sieht ist gähnende Leere, statt den Maschinenbedienern. Deren Aufgabe ist so klar wie meistens auch einfach: Ist ein Stück fertig produziert, neues Rohmaterial einlegen und den Startknopf drücken, das bereits fertige noch auf Qualität prüfen. Man sollte meinen, es ist nicht erforderlich, hinter jeden Mitarbeiter einen Aufpasser zu stellen.

Nun müsste dieser Artikel sich vertiefen in die übliche Diskussion über Führungskultur, Firmenkultur im allgemeinen, Kommunikationstrategien zwischen Führungskräften und Mitarbeitern, Strategie und Zielsetzung und vieles mehr. Doch an dieser Stelle möchte ich lieber am Boden bleiben und über das offensichtliche sprechen. Im konkreten Fall wurde Vertrauen missbraucht, unmittelbar könnte man an Entlassung denken, die im österreichischen Fall an spezielle betriebliche Nachteile gekoppelt sind, die nachzuweisen sind. Aber über Kündigung ist wohl nachzudenken, im Sinne vom schon beschriebenen „fire fast, hire slow“ Prinzip.

Kommunikation tut gut

Sollte man mit dem Arbeitnehmer darüber sprechen? Ja klar sollte man das. Und trotzdem wird es schwierig hier wieder zum Alltag über zu gehen. Was passiert sonst noch alles, was keiner bemerkt hat. Wie schaut es auf der Qualitätsecke aus? Wie schaut es mit Prozessverbesserungen aus? Und schließlich noch der Volksmund: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“ Hart, aber nicht weit von der Wahrheit entfernt. Welche Überlegungen kommen sonst noch zum Tragen?

Jeder Mitarbeiter muss wissen, dass es eine große Chance gibt, erwischt zu werden. Das Motto könnte zum Beispiel heißen: „Ich vertraue dir, aber ich werde (immer) feststellen, wenn du daneben liegst“. Konkret in unserem Fall könnte die Umstellung der Zeitaufzeichnung von Nutzen sein. Wer noch die alten Zeitkarten hat, tut sich besonders leicht, wer die elektronische Variante im Einsatz bringen kann, noch mehr.
Schon klar, auch hier kann man betrügen. Nur, muss dann erstens ein Mitarbeiter da bleiben und zum Beispiel für alle stempeln, (das wird ein Spaß wenn man dann mit fünf Ausweisen erwischt wird) und das Vergehen ist so schwerwiegend, dass man zumindest nicht lange über Entlassung nachdenken muss. Höchstens über das Ersetzen von Kapazität und know-how, aber das ist eine andere Geschichte…

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