Ziele im Sport, Erfolg im Geschäft?

Unternehmensberatung bringt Ziel in den Fokus und vergleicht aus dem Sport

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, ob Erfolg ohne Ziele machbar ist. Als Analogie soll der Sport dienen, da dabei viele Dinge augenscheinlicher sind und somit ein leichterer Zugang geschaffen wird. Ich möchte im Folgenden von der kleinsten Einheit einer Übung zum Training, dann zu einem Trainingsabschnitt bis zur gesamten Trainingssaison kommen und dabei immer wieder die Frage nach dem Warum stellen.

Eine Übung

Viele Trainer sehen (leider) auf YouTube oder auf Facebook eine neue Übung. Das kann eine Bewegung sein, eine Kraftübung wie Liegestütze, eine Übung für das Gleichgewicht oder für die Mobilisation. Und der (scheinbare) Gedankengang verläuft dann so: „Oh, das schaut cool aus, das sollten meine Athleten auch machen.“ Nun kommt die erste Eingliederung, die eingangs schon angedeutet wurde. Viele Übungen ergeben ein Training, viele Trainings einen Trainingsabschnitt (zB. Vorbereitung, Wettkampfvorbereitung, Wettkampfphase), und alle Trainingsabschnitte münden in die Saison.

Zurück zur Übung, wo jetzt die Möglichkeit besteht, aus 10 „coolen“ Übungen ein Training zu erstellen. Warum? Der einzige Grund, eine Übung durchzuführen, lautet: Wenn der Athlet die Übung oft gemacht hat und richtig gut darin geworden ist, dann hilft ihm oder natürlich ihr das im Wettkampf (und um es zu relativieren: oder im Leben, sprich: körperlich, gesundheitlich oder als Spaßfaktor). Aber die relativierenden Beispiele dienen auch dem übergeordneten Ziel: Erfolg im Wettkampf.

Ein Training

Denn wie viele spaßlose Trainings kann ich als Trainer hintereinander anbieten, ohne dass meine Gruppe auseinanderbricht? Kann ich hartes, intensives, forderndes Training verlangen, herumschreien, mich selbst unters Licht stellen, ordentlich Dampf ablassen und nach Hause gehen? Klar! Kann ich genauso viel verlangen, vieles in Spiele verpacken (und ich schreibe das absichtlich ohne Anführungszeichen, weil praktisch jeder Spiele mag), den Athleten auf Augenhöhe gegenübertreten und mit ausreichend Feedback-Schleifen arbeiten? Klar!
Ich sammle gute Trainings hintereinander: Anwesenheit ist hoch, Verletzungen sind niedrig, Spaßfaktor ist hoch, Motivation ist hoch … daraus folgt fast von alleine eine hohe Leistung. Verletzungen passieren! Warum?
Verletzungen passieren üblicherweise dann, wenn der Athlet nicht ausreichend auf die Belastung vorbereitet wurde, und zwar im Kurzfristigen (aka Aufwärmen) als auch im Langfristigen durch Kräftigung und Mobilisation. Der Ausgleich im mentalen, körperlichen und seelischen Belangen darf nie außer Acht gelassen werden. Das ist wie ein Dreieck, und die drei Dimensionen hängen zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Niemals wird eine Höchstleistung möglich sein, wenn mental und seelisch Probleme auftreten (Beziehung, Hausaufgaben, Studium, Arbeit etc.). Wie bei der Übung muss eine Frage im Vordergrund stehen: Wenn wir viele dieser Trainings aneinanderreihen, kann der Athlet dann das, was mein Ziel ausmacht? Um es konkret zu machen: Wenn ich meinen Kugelstoßer in jedem Training 27 Runden laufen lasse, wird er deswegen weiter stoßen? Wenn ich meinen 10.000-Meter-Läufer bei jedem Training 27 Runden laufen lasse, wird er deswegen ein besserer Läufer?

Ein (Trainings-)Abschnitt

Gliederung, Abwechslung, Motivation: Das sind meiner Ansicht nach die wesentlichen Gründe, um eine große Zeiteinheit in kleinere zu unterteilen. Geradezu unendlich erscheinende Einheiten werden übersichtlich, schaffbar und machen Unleidliches erträglicher. Wie isst man einen Elefanten? Bissen für Bissen. Und um noch einen Spruch des unnachahmlichen Kurt zu bemühen: Eine Saison ist ein Marathon und kein Sprint.
Daraus lassen sich wichtige Aspekte schlussfolgern: Was plant der gute Trainer wann? Im Sport, sollte man meinen, ist das relativ klar (auch wenn es einige gekonnt ignorieren): vom Leichten ins Schwere, vom Kleinen ins Große, vom Einfachen ins Komplexe.
Die Gründe sind denkbar einfach: Übungen, die ich schaffe, fördern eher die Motivation; Versagen schafft Ängste und macht sicherlich keinen Spaß. Explosive Sprungkraft im ersten Training nach der Winterpause? Eher etwas für die „Wie kann ich meine Athleten ruinieren“-Meisterschaft. Alles hat seine Zeit, und ein guter Plan legt fest, wann was „dran“ ist. Ungeduld ist an dieser Stelle fehl am Platz, da ich biologische Prozesse und Realitäten zwar bekämpfen kann, aber dabei keinen Erfolg haben werde. Erfahrungen, Wissen anderer und ein kühler Verstand schaffen die Basis für den Erfolg. Die erwähnten Feedback-Schleifen mit den direkt betroffenen Athleten sorgen dafür, auf dem Boden zu bleiben und Adaptierungen durchzuführen, ohne die jeder Plan nur eine leblose Hülle bleibt.

Die Wettkämpfe

In meinen Augen ist der Mensch auf Wettkampf verdrahtet. Wer das ausprobieren möchte, lässt beispielsweise zwei Kinder hintereinander eine Strecke laufen und misst dabei die Zeit. Anschließend baut man dieselbe Strecke so um, dass beide Kinder parallel laufen können. Meistens muss man gar nicht dazu sagen, dass es um die Wette geht. Kommt noch eine Karotte mit ins Spiel, geht es erst so richtig los. Ein Wettkampf ist ehrlich. Er trennt die Gewinner von den Verlierern. Er zeigt, wer die bessere Vorbereitung mit dem ausgereifteren Plan hatte und diesen gegen die Wirren des Alltags verteidigt beziehungsweise angepasst hat. Gerade diese Unterscheidung ist keine exakte Wissenschaft, sondern fordert viel Gefühl und ein klares Ziel vor Augen.
Diese Klarheit braucht es in der täglichen Arbeit, kein Tag ohne genaue Planung. Um mit Peter Drucker zu schließen:

If the executive lets the flow of events determine what he does, what he works on, and what he takes seriously, he will fritter himself away „operating“. He may be an excellent man. But he is certain to waste his knowledge and ability and to throw away what little effectiveness he might have achieved.

(Peter Drucker, The Effective Executive)

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