Strategie erfüllt die Rückschläge mit Sinn

Strategie in der Unternehmensberatung ist genauso wiechtig wie beim Schach und der Unternehmensführung

Über den Sinn und Unsinn von Strategie, Entscheidungen, Umsatzsteigerungen und deren Rückgang sowie das Zittern in harten Preiskämpfen. Schließlich ist geschätzter Entscheidungsträger im Nachhinein (und alle anderen sowieso immer) um einiges gescheiter.

Strategie ganz allgemein

Die Strategie beschreibt einen Soll-Zustand und ein Ziel, das üblicherweise in zwei bis fünf Jahren erreicht werden soll. Akademisch sollte sie eingebettet sein in die Vision, die das Große und Ganze, den Sinn des Unternehmens beschreibt: Warum machen wir das hier eigentlich?

Die Strategie beschäftigt sich mit Möglichkeiten, Varianten, Chancen und Risiken. Soll man in diesen Markt gehen? Wird das Produkt-Portfolio nebenbei weiterentwickelt, oder soll eine ganze Abteilung darauf angesetzt werden? Braucht es neues Wissen durch neue Ressourcen (die im Umsatz so noch nicht darstellbar sind)? Darauf gibt es keine klaren Antworten, vermutlich gibt es in Unternehmen üblicherweise fast so viele Meinungen wie Menschen, die gefragt werden.

Die Strategie gibt Orientierung, das ist der Sinn dieses Beitrages. Der Entscheider hat unglaublich viele Möglichkeiten vor sich, seinen Bereich, seine Abteilung oder das ganze Unternehmen weiterzuentwickeln. Leider sind die Ressourcen in den meisten Fällen nicht unendlich, und so müssen harte Entscheidungen getroffen werden; zum Beispiel, welche Abteilung die lang ersehnte neue Stelle erhält und welche nicht.

Drehen wie die Fahne im Wind

Die größte Gefahr ist nicht die schlechte Strategie, sondern keine zu haben. Ok, ganz mies sollte sie auch nicht sein, aber normal gut würde reichen, um die wichtigsten Klippen zu umschiffen.

Wenn nicht klar ist, wohin die Reise geht, gibt es keine Orientierung. Diese ist aber entscheidend in Zeiten, in welchen es so viele Informationen gibt wie noch nie zu vor; Zeiten, in welchen 5 Fragen üblicherweise 10 Antworten liefern und (Verkaufs-)Preise durch immer größere und globalere Märkte eher sinken und so manche Nische ausgetrocknet wird. Kosten steigen dank teils sinnleerer Regelungen wie Biennalesprünge: Nicht weil ein Mitarbeiter besser wurde, mehr leistet oder effizienter geworden ist, nein, einfach aufgrund der Tatsache, dass auf der Torte wieder zwei Kerzen dazukamen, gibt es mehr Geld. Dass fast niemand 20 Jahre mit dieser Effizienzsteigerung mitkommt, und schon gar nicht, wenn die 60er näherkommen als die Erinnerungen an die 40er verblassen, dann kommt es zu Problemen. Mitarbeiter sind unglaublich teuer, haben (hoffentlich) viel Erfahrung und Wissen, würden aber vielleicht schon lieber ein wenig die Stunden reduzieren und können bzw. wollen nicht mehr so reinbeißen wie die Jungen, die manchmal nur die Hälfte verdienen. Hiermit beende ich schon den kleinen Ausreißer in die Frage, warum wir so viele Arbeitslose zwischen 50 und 60 Jahre haben.

Zusammenfassend kann man sagen: Heute nach links und morgen nach rechts zu laufen bzw. diese Woche es dem einen Kunden recht zu machen und übernächste einem anderen ist üblicherweise das Rezept für Desaster. Michael Porter nennt das (für ein ähnliches Problem): „stuck in the middle“, das Feststecken in der Mitte, bezogen auf seine Wettbewerbsstrategien mit den Fragen: Bin ich ein Kostenführer, bediene ich erfolgreich eine Nische, oder liefere ich absolute Qualität? Alle Varianten funktionieren, nur das ständige Wechseln führt aller Voraussicht nach in den sicheren Tod.

Strategie motiviert

Strategie erzeugt Hoffnung, und Hoffnung schafft Glauben, und Glauben versetzt Berge. Und die Berge sind oft hoch in dieser turbulenten Zeit. Das Unternehmen hat eine Chance, wenn eine große Anzahl an Mitarbeitern an einem Strang ziehen: Aber bitte in dieselbe Richtung!

Die motivierende Wirkung beginnt schon im Kleinen; nicht jeden Tag hat man die gleiche Energie und den gleichen Elan, aber mit dem Ziel vor Augen lässt sich die Mannschaft einschwören. Gemeinsam zum Erfolg heißt Erfolgreiches beibehalten, Hindernisse aus dem Weg räumen, anderen helfen. Gerade dieser Punkt ist ein unglaublicher Multiplikator: Was kann ich – statt ständig einzufordern! – für die anderen tun . Wer sich Gedanken darüber macht, was er für etwas beiträgt, der kennt bald keine „Silo-Grenzen“ mehr. Keinen Kunden interessiert, wie das Unternehmen seine Abteilungen organisiert. Kunden wollen erfolgreiche Produkte zu günstigen Preisen. Und dieser Erfolg erfasst alle Mitarbeiter, dem kann man sich nicht entziehen. Das ist ein wenig wie beim Sport: Wer von Sieg zu Sieg fährt, der sieht die Probleme und Herausforderungen nicht so klar; wer allerdings ständig verliert, da ist der Weltuntergang nicht weit entfernt, und alles wird übertrieben schlechtgeredet.

Strategie verzeiht

Auch eine gute Strategie muss gegen Hindernisse ankämpfen, kaum einmal wird alles nur eitel Wonne sein. Doch in diesen Momenten kann man sich zurücklehnen und an die Erfolge in der Zukunft glauben. Zum Beispiel ein sinkender Umsatz in einem Gebiet, das nicht zum Kern der Strategie wurde. Sinkt der Umsatz nicht, hat man Glück; verliert man doch, ist das ok, weil man den Schwerpunkt woanders gesetzt hat.

Doch wie schaut es aus, wenn das neue Produkt schlecht läuft, auf das man strategisch den Fokus gelegt hat? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Natürlich müssen die Voraussetzungen erneut geprüft werden, unter denen die Entscheidung zur Strategie getroffen wurde. Nie möchte man schlechtem Geld noch gutes hinterherwerfen. Was wird betrachtet? Werden Jahreszahlen miteinander verglichen, die aber eigentlich saisonal sind? Wurden Feiertage im Umsatz entsprechend korrigiert? Hat ein Abnehmer selbst Probleme am Markt, und sind diese selbstverschuldet oder ein deutliches Warnzeichen? Passt die Produktqualität, gibt es Veränderungen in der Werbung oder Vermarktung? Preisänderungen beim Mitbewerb? Viele, viele Fragen, die überprüft werden müssen. Solange diese aber nicht beantwortet sind, sollte man noch keine Maßnahmen vornehmen, die gegen die Strategie laufen. Erst wenn die Strategie als solche verworfen werden muss, dann sind erstens dringend Maßnahmen zu ergreifen, und zweitens ist eine neue Strategie zu definieren.

Öfters als nicht wird bei der Strategie alles in Ordnung sein, und es gilt Ruhe zu bewahren und eben nicht in einen nervösen Zick-Zack-Kurs überzugehen, sondern sauber die Arbeit zu erledigen und dann die Früchte zu ernten.

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